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Klima in StädtenMehr |
Wärmebilanz in der StadtWir haben oft den Eindruck, dass es im Stadtkern wärmer ist, als in den Vororten, sich die Straßen im Sommer mehr aufheizen und der Schnee im Winter eher schmilzt. Wie wird eine Stadt erwärmt? Welche Rolle spielt die Struktur der Bebauung, z.B. die Häuserschluchten?
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Die Strahlungsbilanz und die Wärmebilanz sind eng miteinander verwandt. Zunächst erreicht die kürzerwellige Strahlung der Sonne (das sichtbare Licht und das UV Licht) die Erdoberfläche. Ein Teil dieser Energie wird von der Oberfläche absorbiert, diese erwärmt sich und die Energie wird als langwellige Strahlung (Wärmestrahlung) wieder an die Atmosphäre abgegeben. Die Luft wird daher gar nicht so sehr von der Sonne erwärmt, sondern vor allem durch die Wärmestrahlung der Erde.
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Natürliche OberflächeUnter der Wärmebilanz einer natürlichen Oberfläche, z.B. einer Wiese, verstehen wir den Unterschied zwischen der Energie, die eingeht und der Energie, die wieder verloren geht. Die Austauschprozesse können wir in die folgende Formel fassen: Q + H + E + G = 0 wobei:
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Wir sprechen von 'turbulenter' Wärme, da die Wärme sich über turbulente Luftbewegung, d.h. zufällige und ständige Strömungen überträgt, die lokal zusätzlich zur Hauptströmung der Luft auftreten.
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Nehmen wir die Beträge von Q, H, E und G an (d.h. Werte ohne Vorzeichen), so können wir über die Vorzeichen in der Gleichung die Richtung der Wärmeübertragung angeben. Diese unterscheidet sich am Tag und in der Nacht: Während des Tages: Die Luft ist kälter als der Boden, da sie sich langsamer erwärmt. Der Wärmefluss (Q) ist bemüht, diese Differenz auszugleichen. Er ist vom Boden zur Luft hin gerichtet (positives Vorzeichen von Q, die Luft verzeichnet eine Wärmezunahme). Q - H - E - G = 0 Während der Nacht: Wenn die Sonne nicht scheint, erfolgt kein Energietransport von der Erdoberfläche. Die in der Luft gespeicherte Wärme wird an den Erdboden abgegeben (Q hat ein negatives Vorzeichen). In der Regel kühlt sich der Boden während der Nacht stärker ab als die Luft, da die Auskühlung der Luft langsamer erfolgt. - Q + H + E + G = 0
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Städtische OberflächeDie Wärmebilanz im Stadtgebiet ist auf Grund der dichten Bebauung komplexer. Hier muss ein Ausdruck für die Wärmespeicherung Qp eingeführt werden. Diese Größe beinhaltet den Wärmeaustausch durch Wärmefluss in den Boden, die Straßen und die Wände der Häuser: Q + Qp + H + E + Qf = 0 Ein weiterer Term Qf steht für die vom Menschen verursachte Wärme, die ihren Ursprung in Verbrennungsprozessen (Heizung, Verkehr) oder aus Elektrizität erzeugter Wärme hat.. Wir berücksichtigen hier nicht den Einfluss der Luftmassen, die zur Stadt hingetragen und wieder aus ihr herausgetragen werden und natürlich auch Wärme beinhalten. Das Berücksichtigen der Advektion, wie das Heranführen von Luftmassen verschiedener Wärme und Feuchte im Fachbegriff genannt wird, würde die Gleichung noch weiter verkomplizieren. Stattdessen nehmen wir hier eine ruhige Atmosphäre und relativ einheitliche Landschaftsgestalt an.
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3. Wärme, die von einer Stadt in die Atmosphäre entlassen wird
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Straßenschluchten
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Ein weiteres wichtiges Element in der Stadtstruktur sind die Straßenschluchten. Im Englischen spricht man von 'urban canyons'. Wir kennen sicher alle die typischen Stadtstraßen, die zu beiden Seiten von durchgehenden Reihen hoher Häuser flankiert werden. Dazwischen liegt die Straße, vergleichbar einem Fluss, der sich sein Bett in Gestein gegraben hat. Wie viel Sonnenstrahlung einen solchen Canyon erreicht, hängt von der Ausrichtung (Himmelsrichtung) der Straßenschlucht ab und der Höhe der Gebäude. Auch sind die Gebäudebeschaffenheiten und Oberflächen von Bedeutung, einerseits wegen ihrer Wärmeaufnahmefähigkeit, zum anderen wegen ihrer Albedo. Sonnenstrahlung kann eingefangen werden, wenn die Strahlung zwischen den Gebäuden mehrfach reflektiert wird. Etwa 60% aller Strahlung wird als fühlbare Wärme frei, 30% bleibt in den Hauswänden und Straßen gespeichert. Nur ein kleiner Anteil von etwa 10% wird für Verdunstung aufgewandt, da die Oberflächen in der Stadt im Gegensatz zur Vegetation kaum Wasser speichern. Solche Zahlen variieren natürlich von Stadt zu Stadt, da die Bebauung und Anteile von Grünflächen nie gleich sind.
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About this page:Authors: Sebastian Wypych, Anita Bokwa - Jagiellonian University - Cracow / Poland
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